Historisch gesehen ist das Korrekturlesen
eine Aktivität, bei der die vom Schriftsetzer kommenden
Korrekturfahnen (Galley Proof) oder Umbruchkorrekturfahnen (Page
Proof) gegengelesen wurden. Das Setzschiff (Galley) diente der
Verwahrung der gesetzten Seiten und eine Korrekturfahne (Galley
Proof) war ein Abzug dieser gesetzten Seiten (während sich
diese noch im Setzschiff befanden). Dabei handelte es sich um
einen Ausdruck der Seiten nacheinander auf einer Rolle billigen
Papiers. Die Größe der Buchstaben und die Breite
der Absätze entsprachen dabei dem endgültigen Format,
doch wurden die Seiten nicht zugeschnitten. Eine Umbruchkorrekturfahne
war hingegen ein Abzug der gesetzten Seiten im Format des Seitenlayouts.
Heutzutage stützt sich die moderne Druckverarbeitung auf
Computertechnologie, um das Material für den Druck vorzubereiten.
Dementsprechend verwenden Korrekturleser keine klassischen Korrekturfahnen
mehr, sondern Seitenabzüge im Portable Document Format
(PDF).
Unabhängig von den Methoden, die
für die Erstellung der Korrekturfahnen verwendet werden,
ist das Korrekturlesen streng genommen stets eine Funktion des Produktionsprozesses.
Als solches unterscheidet sich das Korrekturlesen vom Sprachlektorat,
welches Bestandteil der Prozesse zur Vorbereitung des Materials
auf die Produktion ist. Dieser Unterschied wird insbesondere
daran deutlich, dass Korrekturleser hauptsächlich mit den
Desktop-Publishing-Experten und nicht mit den Autoren zusammenarbeiten.
Darüber hinaus konzentrieren sich Korrekturleser ausschließlich
auf mechanische Aspekte, wie Seitenlayout, Rechtschreibfehler
und falsche Schriftarten, wohingegen Lektoren außerdem
auf die Richtigkeit und passende Anordnung der zugrunde liegenden
Informationen achten.
Korrekturleser konzentrieren sich
auf die folgenden Aufgaben:
- Sie klären die bereits von den Sprachlektoren getroffenen stilistischen Entscheidungen und stellen sicher, dass diese angewendet werden.
- Sie nehmen Korrekturen anhand von Korrekturfahnen auf Papier oder unter Zuhilfenahme von Software vor.
- Sie überprüfen die Verweise auf Abbildungen und Tabellen und stellen sicher, dass diese den Inhalten entsprechend passen.
- Sie stellen sicher, dass die Verwendung der Fachbegriffe sowie deren Groß/Kleinschreibung den Vorgaben aus dem Stylesheet entsprechen.
- Sie überprüfen und korrigieren offensichtliche grammatikalische und Rechtschreibfehler.
- Sie überprüfen die Silbentrennung und Wortumbrüche am Zeilenende.
- Sie verifizieren, dass allen Elementen die richtigen Formatierungen zugewiesen wurden.
- Sie überprüfen das allgemeine Seitenlayout (z.B. Seitenumbrüche, Wort- und Zeilenabstände).
Gelegentlich weisen Korrekturleser in
den Korrekturfahnen auch auf falsch dargestellte Tatsachen hin.
Es ist noch nicht zu spät, diese Fehler auszumerzen, denn
Biblioso stützt sich auf elektronische Produktionsprozesse.
Jedoch sollten mit Ausnahme dieser kritischen Fehler alle Inhalte
an dieser Stelle als endgültig betrachtet werden. Es ist
eine sehr kostspielige Angelegenheit, Inhalte in der Phase des
Korrekturlesens umzuschreiben. Die meisten Produktionsprozesse
müssten dann noch einmal für Teile oder das gesamte
Material wiederholt werden. Dabei steigen nicht nur die Kosten
aufgrund der wiederholten Arbeitsschritte, sondern es wird auch
der Endtermin für die Veröffentlichung gefährdet.
Selbst geringfügige Verzögerungen im Produktionszeitplan
resultieren häufig in erheblichen Verzögerungen bezüglich
der Verfügbarkeit des endgültigen Produktes, denn
ausgelastete Druckhäuser planen ihre Aufträge gewöhnlich
weit im Voraus.
| In Dokumentationsprojekten mit extrem knappem Budget können Autoren eventuell die Rolle von Korrekturlesern übernehmen. Allerdings neigen Autoren beim Lesen der Korrekturfahnen gerne zu Neuformulierungen, was sowohl das Projektbudget als auch den Zeitplan in Gefahr bringt. Um dieses Risiko zu vermeiden, empfehlen wir generell den Einsatz eines dedizierten Korrekturlesers. |
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